Die Begründung der Jury für „Unser VERLAG“ (sprint2 – 2025/26)
Die Jury bedankt sich ausdrücklich für alle eingereichten Projekte. Die Vielfalt der Konzepte und die hohe Qualität der Ausarbeitungen haben eindrücklich gezeigt, welches Potenzial in den Studierenden von Karlsruhe bis nach Frankfurt und Bremen steckt. Jede Einreichung eröffnete eine eigene Perspektive darauf, wie sich das studio hö künstlerisch, sozial oder medial entfalten kann. Die Beiträge waren stark, eigenständig und haben sehr unterschiedliche Wege aufgezeigt, wie Öffentlichkeit, Prozess und künstlerische Forschung miteinander verbunden werden können. Die Entscheidung fiel der Jury daher nicht leicht – gerade, weil so viele der Projektansätze mutig, präzise und inspirierend waren.
Nach ausführlicher Diskussion hat sich die Jury für das Projekt „Unser VERLAG“ entschieden.
Ausschlaggebend war die klare Grundidee, das studio hö in einen offenen, begehbaren Publikationsraum zu verwandeln – einen Ort, an dem Zines als künstlerische Medien entstehen, geteilt und diskutiert werden können. Dieses Konzept überzeugt nicht nur durch seine Stringenz, sondern auch durch große Prozessoffenheit: Der Raum bleibt flexibel, reagiert auf Begegnungen, kann wachsen, sich verändern oder neue Formen annehmen. Die kontinuierliche Möglichkeit zur Mitgestaltung – durch Workshops, spontane Interventionen oder das gemeinsame Produzieren – entspricht dem Kernverständnis des studio hö als öffentlichem, kollaborativem Experimentierraum.
Besonders wichtig war der Jury der medienkünstlerische Aspekt des Projekts, der zeigt, wie weit Medienkunst über digitale Technologien wie Video, Robotik, KI oder Screen-Installationen hinaus reicht. Medienkünstlerische Praxis umfasst ebenso Publikationskulturen, Fragen der Autor:innenschaft, die Verteilung von Öffentlichkeit, Strategien der Selbstrepräsentation, Formen der Vernetzung und die Verbreitung von Inhalten. Genau hier setzt „Unser VERLAG“ an. Das Zine/Kiosk-Projekt arbeitet mit Medien im ursprünglichen Sinn: als Werkzeuge der Kommunikation, der Sichtbarkeit und der Selbstermächtigung. Das studio wird selbst zum Medium – ein Ort, an dem Öffentlichkeit hergestellt und geteilt wird.
Damit verbindet „Unser VERLAG“ künstlerische Praxis, mediale Forschung und soziale Teilhabe in überzeugender Weise – zugänglich, klug und zugleich tief verankert in medienkulturellen Fragestellungen.
Die Jury freut sich sehr, ab sofort studio hö bis Mitte April 2026 an Rosa Deutsch (Hochschule für Gestaltung Karlsruhe), Lilly Oehler (Staatliche Akademie der bildenden Künste Karlsruhe) und Bingzhen Zhou (KIT) übergeben zu dürfen und ist gespannt auf die vielen Publikationen, Stimmen und Begegnungen, die in dieser Zeit entstehen werden.